2008-09-29

Frischluft

So jetzt ist es Sonntagabend (oder eher Montagmorgen) und ich versuch noch mal hier weiter zu schreiben.
Wo warn wir denn…genau der Montag. Am Montag nach dem Unterricht bin ich ins Büro von dieser Frau Chang und hab um ein anderes Zimmer gebeten. Die meinte ich könnte mir eines anschauen und ich hab mich schon gefreut. Im Endeffekt liegt das Zimmer wieder auf der Seite der Baustelle, nur ein bisschen höher und ein bisschen weiter nach rechts versetzt. Trotzdem bin ich am Dienstag erstmal umgezogen, weil es ein klitzekleines bisschen besser ist dort. Aber zufrieden bin ich damit immer noch nicht. Denn die arbeiten ja Tag und Nacht und wenn um 03:00 morgens der Bagger wieder 10 LKWs hintereinander belädt, da könnt ich echt ausrasten, weil ich einfach nicht schlafen kann hier. Das ist momentan noch wirklich belastend und ich hoffe ich bekomme in den nächsten Wochen noch ein anderes Zimmer, was anscheinend aber nicht so einfach ist. Es ist nur immer alles so kompliziert hier und wird langsam wirklich anstrengend, vor allem weil diese Frau Chang nicht unbedingt die netteste Person ist. Aber auch das Problem werden wir noch irgendwie lösen. Es ist halt so wie wir immer sagen: „In China lernt man…Warten“.
Na zurück zum Montag, an dem wir ja auch unsere erste Taiji Stunde hatten. Unser Taiji Lehrer ist ja sooo cool. Ich weiß net wie alt der ist, aber der kann sich bewegen sag ich euch. Bei manchen Übungen zeigt er uns deren Ursprung aus dem Kungfu an einem Versuchsobjekt aus dem Kurs. Dieser kleine unscheinbare Kerl kann schnell sein und hat, nach Aussage von Versuchsopfern, noch genug Kraft, um uns alle abzufertigen. Na wir haben dann auf jedenfall alle recht unbeholfen versucht das nachzuahmen, was bei ihm da vorne so einfach aussah und ich denke er hatte viel Spaß dabei uns da beim rumstolpern zuzusehen. Fakt ist, wir müssen noch sehr viel üben, aber Spaß macht es auf jeden Fall, da nach dem Unterricht noch ein bisschen rumzutorkeln.
Am Abend waren Flo und ich, nach einer Horror Busfahrt während der Rush Hour (echt man hätte das eigentlich filmen müssen), mit zwei Freundinnen aus der Qinghua Uni beim Japaner in Wudaokou essen. Das war ein richtig schönes, gemütliches Restaurant. Flo und ich essen ja beide keinen Fisch und so haben wir uns zusammen ein paar Gerichte rausgesucht, die allesamt wirklich super lecker waren. Dort werden wir bestimmt noch öfter vorbeischauen.
Am Dienstag bin ich wie gesagt erstmal im Eiltempo in das „tolle“ neue Zimmer gezogen und danach zu unserer ersten 中国画 (chinesische Malerei) Stunde geflitzt. Der Lehrer den wir dort haben ist ebenfalls spektakulär, aber unbeschreiblich. Wir hatten zumindest viel zu lachen und ich freu mich schon wenn wir das nächste Mal selbst mit malen loslegen können. Erstmal müssen wir uns natürlich ein paar Pinsel und Tusche und bla besorgen.
Am Abend hab ich dann noch diesen Typen vom Internet angerufen, weil das durch den Umzug nicht mehr funktioniert hat. Wie erwartet ist der ganz auf die chinesische Art natürlich trotz Zusage nicht mehr vorbeigekommen, aber wie gesagt – in China lernt man warten.
Der Mittwoch ist unser langer, langer Uni Tag. In der Pause am Vormittag war ich noch mal bei Frau Chang im Büro und hab noch mal wegen den Zimmern nachgefragt, weil mir wieder ein Bekannter erzählt hat, ein Freund von ihm sei eben erst auf die Südseite umgezogen. Leider war ich dort nicht sehr erfolgreich und danach ein „klein“ wenig sauer. Super Vorraussetzung für den Test den wir gleich im Anschluss geschrieben haben. Jaja, der Test, tolle Sache. Also die Sachen die wir lernen konnten, haben wir auch gelernt und diese Aufgaben waren ja auch gar kein Problem. Aber die zwei Seiten multiple Choice Aufgaben konnten wir nur raten, weil wir weder die Sätze, noch die Auswahlmöglichkeiten aufgrund fehlender Vokabelangaben nicht verstanden haben. Ein Wörterbuch konnte man nicht benutzen…also wirklich einfach nur raten. Mal schauen was da dabei rausgekommen ist, aber naja was solls, das konnten wir ja einfach gar nicht lösen. Nach dem regulären Unterricht gingen wir noch zu 听力, dem Hören+Verstehen+Sprechen Zusatzkurs. Diesen Kurs macht nämlich Frau Ding, die uns ja auch in Deutschland schon mal unterrichtet hatte.
Ja und nach nem Unterrichtstag von 08:00 bis 18:00 komplett auf Chinesisch ist man so richtig kaputt. Ich hab noch Jiayue angerufen, die mir noch mal bei diesem Internet Typen angerufen hat, noch dreimal um genau zu sein. Diesmal hat er das Internet für irgendein falsches Zimmer freigeschaltet, sodass das am Mittwoch wieder nichts wurde mit online gehen. Schlafen durfte ich am Mittwoch mal in Lydias Zimmer, die mir angeboten hatte mal ne Nacht zu tauschen, weil ich schon ewig nicht mehr durchgeschlafen habe. Und das tat auch richtig gut, ich war ja schon ganz fertig mit den Nerven.
Am Donnerstag ging unser von der Uni organisierter Ausflug nach Chengde los. Aufgeteilt in vier oder fünf (weiß nicht mehr genau) Busse fuhren wir erstmal ein paar Stunden gen Norden, vorbei an der Großen Mauer und weiter. In Chengde waren wir im schrillsten Restaurant essen, das ich je gesehen habe. Ein altes traditionelles Gebäude, Bedienstete in traditionellen Gewändern und Kitsch ohne Ende. Mit voll geschlagenem Bauch gings zum zweiten Programmpunkt, dem Xiao Budala Gong, der kleinen Version des Potala Palastes in Tibet. Leider hatten wir dort nur wenig Zeit, um selbst ein bisschen rum zu gucken, es hätte bestimmt noch viel mehr zu entdecken gegeben. Aber wir standen ja schon ewig nur da und bewunderten die tolle Aussicht, die man von dort oben hatte. Als wir alle wieder in unseren Bussen saßen wurden wir an eine Uni in Chengde gebracht und dort einfach mal unserem Schicksal überlassen. Dort wurde gleich jeder einzelne von uns von einem Studenten der Uni geschnappt. Mich hat ne echt süße Chinesin mitgenommen, mit der ich dann den ganzen Abend chinesisch reden konnte. Beim Essen in der Mensa (ja man merkt, Essen ist wichtig in China*g*) hat sie mir sogar ein Armband geschenkt. Fast jeder von uns hat ein Geschenk bekommen, darauf waren wir doch gar nicht vorbereitet, warum sagt uns so was niemand.
Anschließend durften wir endlich in unser Hotel. Ich hatte ein Zimmer zusammen mit Lydia, wir waren todmüde, aber natürlich erwartete uns noch eine Überraschung. Unsere Zimmerkarte öffnete die Tür, mit der Nummer die uns gegeben wurde nicht. Nach genauer Untersuchung des kleinen Kuverts in dem die Karte steckte, entdeckten wir noch eine zweite Nummer, also sind wir da einfach mal hin und tadaaa, die Tür ging auf. Nur dumm, dass in dem Zimmer schon jemand wohnte – ohps. Also wieder runter zur Rezeption und dreimal dürft ihr raten…genau – Warten! Letztendlich bekamen wir eine andere Karte, die das erste Zimmer vor dem wir standen dann auch tatsächlich öffnete. Dafür war das Hotelzimmer dann richtig cool. Groß, Riesen Fernseher, alles vom Bett aus bedienbar, Badewanne (ja ich war noch baden!!!)...
Mit dem Frühstück am Freitag konnte ich mich nicht ganz anfreunden. An dieses chinesische frühstücken werde ich mich wohl nicht so schnell gewöhnen können, aber Salat, Nudeln, etc. geht einfach so früh am Morgen noch nicht rein.
Nach dem Essen fuhren wir ins Mountain Resort, der wunderschönen Gegend des Sommerpalastes der Qing Dynastie. Das Ganze ist eine Riesenanlage mit vielen verstreuten Gebäuden, Seen, viel Grün und richtig toller Luft. Haben dort auch viele Fotos gemacht. Leider hatten wir wieder viel zu wenig Zeit und konnten weit nicht alles anschauen, aber es war wirklich wunderschön, idyllisch und gern wär ich noch länger vor diesem hohen Turm (Foto), für den sich scheinbar nicht viele Touristen interessierten, sitzen geblieben, hätte den Glocken gelauscht, dem Wind, die Sonne und die gute Luft genossen...wenns irgendwie klappt würde ich da gerne noch mal in Ruhe durchspazieren. Ja das war auch schon unser Ausflug nach Chengde.
Schräg fand ich noch, dass man bevor man noch Ortsschilder sah, im Bus wirklich schon roch, dass man wieder nach Beijing reinkam. Da merkt man erstmal in was für ner Luft man hier wirklich lebt...unheimlich...
Am Samstag wurde erstmal ausgeschlafen. Am Nachmittag trafen wir uns mit Frau Liu (unsere chinesisch Lehrerin aus Erlangen), die nach Beijing gekommen ist, zum Kaffee trinken (in meinem Fall Heiße Schokolade) das war auch super.
Danach waren wir noch im Reisebüro in unserem Wohnheim, weil wir doch nächste Woche frei haben (Nationalfeiertag). Dummerweise ist das einer dieser Zeiträume, in denen ganz China quer durchs Land reist, sodass alle Zugtickets egal wohin restlos ausgebucht waren. Außerdem hatte außer Flo und mir noch niemand seinen Pass zurück (hatten die ja zur Visaverlängerung abgegeben gehabt), die anderen haben noch diese geheimnisvollen gelben Zettel die den Pass ersetzen, aber dann doch wieder nicht (keiner blickt noch durch), was die Sache nicht einfacher machte.
Unverrichteter Dinge gingen wir ins Restaurant Peking Ente essen. Man, warum schmecken hier die meisten Sachen so gut? Ich werd in nem Jahr echt als Kugel wieder nach Hause gerollt kommen. Wieder hatten wir bestimmt um die 10 verschiedenen Teilgerichte auf unsrem Drehteller in der Mitte vom Tisch und alles will ja gekostet werden. Mhmmmm…
Wow, jetzt bin ich doch tatsächlich schon beim Sonntag (also heute) angekommen. Heute waren wir Rucksäcke und Klamotten kaufen, denn wir wollen ja reisen. Flo und ich hatten beschlossen Flugtickets nach Taiyuan zu buchen und von dort dann weiter zu reisen. Mittlerweile haben wir die Tickets auch tatsächlich schon gebucht und werden die morgen früh abholen gehen. So nen konkreten Plan von unserer Reise haben wir noch nicht unbedingt, aber es gibt da wohl schon einige Sachen die man anschauen kann und ich freu mich jetzt auch schon richtig drauf…joa, so das war doch jetzt mal ein Eintrag hier, hehe.

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