2009-04-20

内蒙古- Innere Mongolei

Am Donnerstag (16.4.09) um ca. 21:00 Uhr stiegen wir in den Nachtzug der uns innerhalb von ca. 10 Stunden nach 呼和浩特 (Hohhot, Hauptstadt der Inneren Mongolei) bringen sollte. Geschlafen wird in offenen 6er Abteilen, jeweils drei Betten übereinander. Während ich ganz gut in meinem Mittelbett Platz hatte, hatte manch anderer so seine Problemchen alle Gliedmaßen in den auf chinesische Maße zugeschnittenen Betten unterzubringen. Geschlafen habe ich dank eines lautstark schnarchenden Chinesen quer über mir trotzdem nicht sehr viel diese Nacht. In Hohhot angekommen wurden wir am Bahnhof auch gleich von jemandem angesprochen, ob wir in die Steppe oder Wüste wollen. Nach einigem Hin und Her begann man dann doch über Einzelheiten zu sprechen, einigte sich auf einen Preis und nach nem Essen ging die Fahrt im bequemen Kleinbus auch schon los. Und da hatten wir doch echt ein Glück mit unserem „Reiseführer“, ein wirklich netter Kerl, der uns in eine verlassene Anhäufung von Jurten fuhr, dort auch immer wieder mal vorbei schaute und nachfragte, ob wir auch zufrieden sind, uns leckeres Essen besorgte und auch ansonsten sehr angenehm war.
In dem Dörfchen in das er uns brachte wurden wir erstmal ganz touristisch mit Musik, Gesang und Steppen-Schnaps begrüßt, bevor man uns unsere Jurten zugewiesen hat, in denen wir die nächste Nacht verbringen würden. Einfache Runde Zelte mit Bettzeug und...ja mit Bettzeug halt.
Wir waren in diesem „Dorf“ die ersten Touristen in dieser Saison und außer uns, den paar Mongolen, die dort wohnten war dort keine Menschenseele, nur Pferde, Kühe, Schafe, Kamele, Hunde und aus dem Nichts auftauchende Schweine grasten vereinzelt rum.
Nach einem leckeren Essen (ja wir haben uns auch getraut den Schafmagen zu kosten) beschlossen wir eine dreistündige Tour durch die Steppe auf mongolischen Pferdchen zu machen. Ja was soll man sagen, man sitzt auf dem Pferd, links rechts vorne und hinten ist nur flaches Grasland, über das der mongolische Wind weht, die Mongolen singen ihre Lieder in die ansonsten absolute Stille...toll.
Zwischenstopps wurden gemacht bei einem Obo (http://de.wikipedia.org/wiki/Obo), dann gabs einen kleinen Snack mit Milchtee auf einem kleinen Hof und zurück gings in unser Dorf, wo wir schon mit dem nächsten Programmpunkt konfrontiert wurden – mongolisches Ringen.
Nachdem die Mongolen vorgeführt haben wie das Ganze funktioniert, haben sich auch Flo und Pierre in den Kampf Mann gegen Mann gewagt. Obwohl die Mongolen wohl mindestens nen Kopf kleiner waren landeten unsere Jungs als erster auf dem Boden, hihi.
Danach ruhten wir uns erstmal ein wenig in unseren Jurten aus und gingen anschließend nochmal zu Fuß los ins Grasland. Man geht ein Stück, guckt nach vorne und sieht flaches Land bis zum Horizont, dann dreht man sich einmal in alle vier Himmelsrichtungen und merkt, dass man alleine mitten im Nirgendwo steht.
Nach diesem Ausflug gabs noch ein leckeres Essen im Dorf, begleitet von Tanz, Gesang und Musikvorführungen unserer Gastgeber, die wohl auch froh waren mal jemanden in ihrem Dorf zu haben.
Nachts nach einem Klobesuch (ja mit den Klobesuchen sollte man dort sparsam umgehen*g*) mit Marion konnten wir uns im Zurückgehen bewunderten wir den Sternenhimmel. Nachdem wir ewig nur mit dem Kopf im Nacken rumstanden und uns doch nicht losreißen konnten legten wir uns letztlich doch einfach auf den Boden und harrten dort sicher noch über eine Stunde in der Kälte aus. So einen Sternenhimmel hab ich vorher echt noch nie gesehen. Ringsherum ist alles richtig dunkel, es ist unglaublich still, man sieht erst die großen Sterne, dann die kleineren, dann Sternstaubhäufchen, warum der Himmel manchmal so aufblitzte, wie er es tat wussten wir nicht. Sogar zwei Sternschnuppen haben wir in dieser Nacht gesehen.
Irgendwann gingen wir doch noch ins Bett, froren die restliche Nacht und waren um 5 Uhr morgens schon wieder auf um den Sonnenaufgang anzuschauen.
Auf dem Weg zurück ins Dorf sahen wir noch ein Kamel im Galopp eine Kuh jagen, was an sich schon ein sehr skurriles witziges Bild abgibt, hihihi.
Die Herden werden hier übrigens bevorzugt mit dem Motorrad getrieben, nicht mehr allzu oft auf den Pferden.
Nach dem Frühstück holte uns unser Reiseführer ab und weiter ging die Fahrt nach 包头 (Baotou), von dort aus in die Wüste. Man fährt da halt vier Stunden vom Nirgendwo aus in eine Richtung und kommt an keiner einzigen Stadt vorbei. Alles ist flaches Land mit vereinzelten kleinen Dörfern in denen Schafe und Pferde rumlaufen.
In der Wüste angekommen, wurden wir erstmal mit ner lustigen Autofahrt ein bisschen weiter in die Wüste reingebracht. Dann machten Flo und ich einen Kameltrip, während die anderen so ein bisschen herum wanderten. Unsere Kamele waren ja soooooooo süß, aber das sieht man ja auf den Bildern :-) Danach vertrieben wir uns auch noch ein bisschen die Zeit im Sand, bis wir uns wieder mit unserem Reiseführer trafen, der uns zurück nach Hohhot fuhr und uns in einem Hotel unterbrachte. Am nächsten Morgen klopfte er sogar nochmal an unsere Tür und brachte uns kleine Geschenke vorbei, also echt ein netter Kerl.
Nachdem wir uns alle aufgerappelt hatten schauten wir uns noch ein wenig in Hohhot um, eine Stadt in der es eigentlich nicht wirklich viel zu sehen gibt. Das Highlight war wohl die Inliner Schule für Kinder im Park. Irgendwann kam dann so ein kleiner Sturm auf, der viel Staub und Sand mit sich brachte und wir flüchteten nach dem obligatorischen Einkauf von Pferde- und Steppen- Schnaps in ein Restaurant, bevor wir uns wieder auf den Weg zum Bahnhof machten und den Zug abends um ca. 21:30 Uhr heim nach Beijing nahmen. Und diesmal wars dank fehlenden schnarchenden Chinesen eigentlich recht gemütlich in den Liegewägen.
Insgesamt ein echt klasse Ausflug. Ich werde wenn es irgendwie möglich ist im Sommer auf jedenfall nochmal in die Grasländer fahren, um sie auch einmal in sattem Grün bewundern zu können.