2008-11-04

Odyssee

Den Sonntag nutzte ich, um mal so richtig auszuschlafen, was auf wundersame Weise sogar möglich war. Keine Putzfrauen am Gang die in ihr Funkgerät kreischten, keine Arbeiter die im Nebenzimmer in den Wänden rumbohrten, keine Nachbarn die mit den Türen knallten. Am Nachmittag beschlossen Flo und ich in Richtung des Lama Tempels zu fahren, um zu gucken wie viele Leute dort waren und uns dann vielleicht reinzuwagen. Und mit diesem Beschluss begann unsere Odyssee. Erstmal wollten wir mit dem Bus zur nächsten U-Bahn Station Suzhoujie fahren. Die ist normalerweise nur zwei Busstationen von unserer Uni entfernt. Natürlich stiegen wir in Eile in den falschen Bus und sind an der nächsten Haltestelle wieder raus. Auf dem Busfahrplan fanden wir eine Linie, die eine Station zurück zur Suzhouqiao fuhr. Also über die Straße und mit dieser Linie in die entgegengesetzte Richtung wieder eine Station zurück. Wie wir bald darauf feststellten war das schon wieder eine überhastete Entscheidung denn die Suzhouqiao (qiao = Brücke) ist natürlich nicht in der Nähe der Suzhoujie (jie = Straße) U-Bahn Station. Na egal, dann eben kurz an den Straßenrand gestellt, gewinkt und rein ins Taxi. Mit dem Taxi kamen wir endlich am Eingang der Suzhoujie Station an und stiegen ein in die U-Bahn Linie 10. Nun denkt man sich eigentlich, dass das U-Bahn Netz in Peking wirklich (noch) sehr übersichtlich ist, trotzdem schafften wir es mit unserer Plauderei drei Stationen zu weit zu fahren, wir hätten nämlich noch mal umsteigen müssen. Wir sind also raus aus dem Zug, stolperten auf die andere Seite des Bahnsteiges und fuhren in die andere Fahrtrichtung unsere drei Stationen zurück. Diesmal passten wir gut auf und stiegen an der richtigen Haltestelle aus. Dort suchten wir dann die Linie zwei zu der wir umsteigen mussten und standen nach kleinen Umwegen auf dem richtigen Bahnsteig. Beim Lama Tempel suchten wir uns den Weg zurück an die Oberfläche, nur um dann festzustellen, dass die Anlage um 16:00 schließt. Wir standen fünf Minuten vor Vier vor den Kassenhäuschen und bekamen natürlich keine Karten mehr. Gewundert hat uns das Ganze an besagtem Tag nicht mehr und wir beschlossen den Weg zum nahe gelegenen Konfuziustempel mit der Kaiserlichen Akademie zu suchen. Der war überraschenderweise wirklich sehr nahe und hatte sogar noch eine halbe Stunde geöffnet. Wir waren die letzten die noch Eintrittskarten bekamen und die späte Stunde hatte den Vorteil, dass sich fast keine Menschen mehr auf dem Gelände aufhielten. Es war wahnsinnig ruhig und friedlich da drinnen, man hörte keine Autos und kein Gehupe, nur eine chinesische Flöte aus einem der Höfe.
Vor kurzem hat uns jemand erzählt, dass genau gegenüber vom Konfuziustempel ein Teehaus sein soll, in dem Teezeremonie gemacht wird. Das wollten wir uns ohnehin auch mal anschauen und tatsächlich fanden wir das Teehaus auf Anhieb. Was ein bisschen komisch war, war dass es da drin vollkommen dunkel war, kein Licht. Das Türschild stand aber auf „Open“, also wagten wir doch einen Blick hinein und siehe da, es hatte geöffnet, nur der Strom war ausgefallen. Also erlebten wir unsere erste Teezeremonie bei Kerzenschein, sehr cool. Ich könnte zwar jetzt nicht mehr erklären was die alles mit dem Tee gemacht hat, bevor wir ihn trinken konnten (kompliziert, kompliziert), aber es war spannend mit anzusehen, es duftete herrlich und das Ergebnis war lecker. Irgendwann ging dann das Licht wieder an und wir saßen ne ganze Zeit lang in diesem supergemütlichen Teehaus und nippten an unserem Oolong Tee von 1510 und einem Schwarztee, beides seeeeeeehr lecker. Übrigens trinkt man aus Minimini Tassen und Männer und Frauen haben diese jeweils anders zu halten.
Irgendwann rafften wir uns dann doch auf und fuhren (diesmal mit einer U-Bahn Linie, die wir eigentlich auch bei der Hinfahrt schon hätten nehmen können, weil viel einfacher *grrr*) zurück in Richtung Uni, aßen noch was in einem nahen Restaurant und dann war der Tag auch schon rum.
Montag war der Tag, an dem wir unsere Prüfungsergebnisse bekamen und ratet mal wer in der schriftlichen Prüfung Klassenbester ist. Na? Naaaaaaa? Jawoll, Sieg für Österreich mit 94%. Unsere Lehrerin hatte mal gemeint der Klassenbeste bei den Prüfungen bekommt jeweils ein Geschenk und tatsächlich habe ich ein Buch von ihr bekommen, voll cool.
In der Mündlichen teile ich mir mit 95% den zweiten Platz mit unserem Klassensprecher, dem Flo.

Konfuziustempel






















































































































































































































Teezeremonie









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