2008-10-12

Auf Reisen

Weil am 1. Oktober der Nationalfeiertag der VR China ist, hatten wir (gleichzeitig mit Millionen von Chinesen) eine ganze Woche frei. Diese Woche wollten wir nutzen, um ein bisschen rumzureisen. Nach langem hin und her entschieden wir (also erstmal nur Flo und ich, weil wir unsere Pässe schon wieder zurück hatten) uns am Sonntag die Flugtickets nach Taiyuan für Dienstag um ca. 37 Euro zu buchen. Der Rest unserer Gruppe buchte wegen Unklarheiten über den mysteriösen „gelben Zettel“ (der Zettel sollte den Pass ersetzen, aber niemand wusste so genau, ob man damit auch fliegen kann) noch später und musste somit ein wenig mehr für den Flug bezahlen. Eine Reise mit dem Zug ist während der Golden Week für Spätbuchende unmöglich, da natürlich alle Tickets restlos ausverkauft sind.
Am Dienstag packten wir also alle unseren Rucksack und machten uns am Nachmittag auf den Weg zum Flughafen, wobei wir auch gleich mal den Airport Express ausprobieren konnten, den man bequem mit der U-Bahn erreichen kann.
Geflogen sind wir mit China Eastern und waren nach einer Stunde Flug auch schon wieder am Boden. In Taiyuan angekommen quetschten wir uns dann zu fünft in ein viel zu teures Taxi, dass uns in ein 1½ Stunden zu unserem Reiseziel, nämlich Pingyao, brachte. Pingyao wurde 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Das Stadtbild ist noch aus der Ming (1368-1644) und Qing (1644-1911) Dynastie erhalten und bietet so einen Einblick in das Leben Chinas von vor hunderten von Jahren.
In Pingyao versuchten wir dann erstmal im Youth Hostel unterzukommen, aber wegen den vielen Touristen, die in dieser Woche unterwegs waren, hatten die nur noch ein Bett frei. In einem weiteren Youth Hostel auf der anderen Straßenseite konnten wir ebenfalls noch ein Bett ergattern. Leider reichten die zwei Betten nicht für fünf Leute aus. Gott sei Dank bot uns aber eines der Youth Hostels an, dass wir gratis in der Eingangshalle übernachten dürften.
Also schliefen der Flo und die Phan in den Betten und Lydia, Jonas und ich machten es uns auf den Bänken im Eingangsbereich so gemütlich wie möglich. Obwohl wir uns mit allem was wir im Rucksack dabei hatten zudeckten war diese Nacht soooooooowas von kalt. Am nächsten Morgen wurden genügend Betten im Hostel frei und wir konnten in ein warmes, kuscheliges Zimmer einziehen. Nachdem das alles geregelt war und wir uns frisch gemacht hatten gings dann auch raus auf die Straßen von Pingyao, davon hab ich ja genug Fotos gemacht. Auf dem Weg zum Nordtor, wo wir Eintrittskarten für sämtliche Sehenswürdigkeiten kaufen wollten, sprach uns eine Frau mit ein paar Kindern um sie rum an. Die Kinder hatten anscheinend die Hausaufgabe bekommen mit Ausländern englisch zu sprechen, die waren vielleicht süß und anfangs voll schüchtern. Aber nachdem sie Verstärkung bekommen haben uns sich um uns rum ne richtige Traube von ihnen gebildet hat, wollten sie dann alle unsere Autogramme und Fotos von und mit uns. Beim Verabschieden haben sie jedem von uns einen kleinen Schlüsselanhänger geschenkt, war voll lustig das Ganze. Am Nordtor bestaunten wir die riesigen Stadtmauern aus der Ming Zeit. Dort bekamen wir auch die Eintrittskarten, mit denen man alle Sehenswürdigkeiten in Pingyao anschauen konnte (und davon gibt’s verdammt viele), dank unseres Studentenausweises um 60 Yuan (ca. 6 €). Wir starteten also, bei brühender Hitze und einem bestimmt toxischem Staub-Smog-Luftgemisch, unser Sightseeing Programm und besichtigen Tempel und alte Gebäude, auch davon lade ich noch Fotos hoch. Auch abseits der Touristenstraßen spazierten wir rum, dort sieht die Gegend schon ganz anders aus – Armmut, Müll, Schutt, Staub…
Am Abend gehen in ganz Pingyao die Laternen an. Wenn man mal von den kitschigen Lichterketten absieht, die noch zusätzlich angebracht wurden, gibt das ein wirklich schönes Bild ab.
Geschlafen haben wir die zweite Nacht supergut, es war warm und die Betten richtig gemütlich.
Am nächsten Tag fuhren wir ein Stück in den Norden, um uns das Anwesen der Qiao Familie anzusehen. Dies war der Drehort für Zhang Yimous „Die rote Laterne“, ein Film den man eigentlich gesehen haben sollte. Erschienen 1991 wurde er in China wegen Anspielungen auf das Tiananmen Massaker verboten. Leider war das Anwesen recht überfüllt, wo kommen nur immer diese ganzen Chinesen her?
Am Heimweg machten wir noch einen Abstecher zum Zhengguo Tempel. Das war vielleicht ein Kontrastprogramm. Außer uns waren dort vielleicht noch 10 andere Touristen, was vielleicht auch an der Baustelle lag, die dort grade im Gange war.
Am Nachmittag und Abend schlenderten wir noch mal durch Pingyao und kosteten die Süßigkeiten durch.
Am Freitagmorgen trennte sich unsere Gruppe auf. Lydia, Flo und ich fuhren gleich früh mit dem Bus über Taiyuan nach Datong. Der Rest flog zurück nach Beijing. In Datong checkten wir im Hotel ein und nahmen uns gleich noch ein Taxi zu den Yungang Grotten. sind alte buddhistische Höhlentempel, die großteils zwischen 460-525 aus dem Sandstein geschlagen wurden und heute ebenfalls Weltkulturerbe ist. Die Höhlen, die die da ausgegraben haben sind echt gigantisch und die Buddhafiguren bis zu 17m hoch. Wirklich beeindruckend. Ebenfalls beeindruckend war dieser mysteriöse Baum, der eine Infusion bekam.
Am Samstag stand noch ein Kloster, das an einer Felswand in einem der fünf heiligen Gebirge hängt, und im 6. Jahrhundert gebaut wurde, auf dem Tagesplan. Dorthin kamen wir mit einem Taxi aus dessen Motorhaube andauernd Fliegen gekrochen kamen, wo überall Kabel rausschauten, beim Fahren immer irgendwas gegen die rechte Seite schlug und ohnehin mindestens die Hälfte der Bauteile nicht mehr vorhanden war.
Die Berge meisterten wir mit 20-30 km/h, wobei wir schon Angst hatten, dass uns auch noch das Benzin ausging, jedoch konnte uns in diesem Fall der Fahrer beruhigen, in dem er uns erklärte, dass lediglich die Anzeige nicht mehr funktioniert.
Jedenfalls sind wir heil am Kloster angekommen und suchten gleich noch ein paar Klamotten aus unsren Rucksäcken raus. Man hat dort der Wind geweht, da hats die Füße weggezogen.
Startklar stiegen wir dann die Stufen zum Kloster hinauf, nur damit Flo vor der Außenwand seine Jahreskontaktlinse verlieren konnte. Na super, da krochen wir also alle drei wie die Schildkröten am Boden rum und suchten jeden Millimeter nach dieser Kontaktlinse ab. Die Chinesen fanden das natürlich klasse und schauten uns genüsslich dabei zu, wie wir vor dem Kloster am Boden knieten und den Kopf ständig andächtig auf und ab bewegten. Sie machten Fotos, filmten uns, und hatten zuhause bestimmt wieder spannende Geschichten über die seltsamen Ausländer zu erzählen. Man muss dazu sagen, dass wir in der Gegend ohnehin immer die einzigen ausländischen Touristen waren. Schon bei den Yungang Höhlen wurden wir wieder von Chinesen gefragt, ob sie nicht Fotos mit uns machen dürften.
Na auf jedenfall wurde die Menschentraube um uns rum immer größer und irgendwann kam eine nette Frau auf die Idee uns zu fragen, was wir denn da machen. Das hatte zur Folge, dass auf einmal alle mitzusuchen begannen, was echt lustig aussah, wie keiner mehr das Kloster beachtete, sondern nur noch den Boden davor. Gefunden haben wir die Linse trotzdem nicht mehr. So jetzt zum Kloster selbst. Das Ding war früher für vielleicht fünf Menschen die dort lebten ausgelegt. Heute trampeln darauf ständig so ca. 200 Chinesen rum und die gesamte Konstruktion wackelt beängstigend. Die alten, schmalen Holzstützen sehen auch nicht unbedingt vertrauenswürdig aus, aber wenn man einmal auf dem schmalen Holzweg steht gibt es kein zurück mehr, weil an der Menschenschlange hinter einem kein Durchkommen ist. Das war jetzt für Lydia und mich nicht schlimm, für Flo mit seiner Höhenangst aber doch ein Problem. Insgesamt war alles auf diesem Kloster eng. Bei den Treppenaufgängen streiften wir mit unseren Bäuchen an den Stufen, weil wir sonst hinten an den Luken hängen geblieben wären. Aber es war lustig, die Aussicht war superschön, und dass diese Bauwerk da heute noch so an der Felswand hängt ist mir ein Rätsel.
Anschließend sind wir noch zu einem der ältesten Holzgebäude der Welt gefahren, einer alten Holzpagode. Leider hats da grade zu regnen begonnen und wir hatten auch nicht mehr allzu viel Zeit, weil wir noch einen Bus nach Peking erwischen wollten. Wir haben diese Besichtigung also im Schnelldurchlauf gemacht. Der Aufstieg in dieser Pagode war auch wieder ein Abenteuer. Bei nahezu völliger Dunkelheit diese alten, völlig ungleichmäßigen Stufen rauf und runter zu steigen.
Zurück in Taiyuan bekamen wir nach einer Stunde anstehen drei Bustickets und traten die Heimreise nach Peking an. Zurück in Peking atmeten wir erstmal alle tief durch, denn wir wissen jetzt die „tolle“ Pekinger Luft schon zu schätzen. Die ist im Gegensatz zu Datong ja echt superrein. Und auch der Verkehr ist hier eigentlich ziemlich geordnet im Gegensatz zum Chaos auf den Straßen um Pingyao, hehe. So, und jetzt noch die Fotos...

Fototermin





Pingyao


































































































Haus von Lei Lütai









Stadtgotttempel







Konfuziustempel, Theater




















































































Qiao Anwesen








































































Zhengguo Tempel


























Altes Verwaltungsgebäude


























































































Bus nach Datong



Yungang Höhlen







































































































































































































































































Hängendes Kloster





















































































































































































Holzpagode und Taxi




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